welcome to korea

Die dunkle Schokolade schmilzt langsam auf meiner Zunge und entfaltet ihren intensiven Geschmack. Meine Hände umschließen die kleine helltürkise Tasse mit frisch aufgegossenem Tee. Mit geschlossenen Augen lausche ich der Musik und wippe sanft im Takt. Der Klang der Gitarre vermischt sich mit dem prasseln des Regens, das durch das gekippte Fenster dringt und seinem leisen koreanischen Gesang. Nach und nach vergesse ich alles um mich herum und versinke im Hier und Jetzt. Welcome to korea.

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Straßen voller Betonbauten

Hier in den Städten sind die Katzen dicker, der Asphalt glatter und die Gefährte aufgemotzter. Griechische Musik vermischt sich mit lauten Motorengeräuschen, Wörter die ich nicht verstehe mit dem Geschrei der Möwen. Die Sonne prallt unerbitterlich vom wolkenlosen Himmel und die Luft riecht nach Abgasen.

Im Schatten der Betonbauten schleppt sich ein brauner Straßenhund mühsam voran, immer darauf bedacht, den Menschen frühzeitig auszuweichen, keine Aufmerksamkeit zu erlangen. Doch ich kann meinen Blick nicht von ihm wenden. Frage mich was er wohl alles durchmachen muss. Unsere Augen treffen sich, er schaut so traurig dass es mir das Herz bricht. Wir verharren beide - so stehen wir uns gegenüber. Unsicher und schüchtern, unwissend und fremd. Nach einigen Sekunden läuft er weiter, die Straßen seiner Heimat und gleichzeitiger Bürde entlang. Ich schaue ihm hinterher, stumm und traurig.

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Wände

Gemütlich schunkelnd fährt der Bus durch die Nacht. Häuser und Fenster ziehen an mir vorbei, immer wieder erhasche ich einen Blick in die Zimmer dahinter. Winzige Augenblicke des Lebens eines anderen. Hinter einer Scheibe läuft ein Handballspiel, bei einer anderen das Dschungelcamp, dann sehe ich einige leere Regale an einer weißen Wand. Und überall wohnt jemand, lässt sich fallen, durchlebt Höhen und Tiefen innerhalb dieser Wände. Gefühle die vielleicht niemals jemand anderes sehen wird, niemand außer diese Wände. Sie hüten unsere Geheimnisse, schließen sie in sich ein ohne jedoch zu vergessen.

Mauern mit dem Wissen einer Ewigkeit.

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Köln

Das Rauschen das Wassers wird von dem Geräusch kleiner Füße im Gras unterbrochen. Ich blicke nach links und sehe ein kleines Mädchen neben mir stehen. Sie trägt ein weiß hellblau gestreiftes Kleidchen und hat braune Locken. Ihre Augen sind auf mich gerichtet, sie schaut bloß mich an. Lächelnd sage ich ein leises 'Hi', sie erwidert weiter meinen Blick. Sie scheint zu taumeln, dann macht sie einige winzige Schritte auf mich zu, verharrt und überwindet die letzten Zentimeter zwischen uns. Ihre winzige Hand berührt meine Schulter. Ich bin verzaubert von diesem kleinen Wesen, wie sie da steht und mich mit ihren großen braunen Augen aussieht. Sie scheint fasziniert und ich bin überrascht. Normalerweise bin ich nicht die Person welche gut mit Kindern kann, geschweige denn ihre Aufmerksamkeit erregt. Ich fühle mich wie bei einem wilden Tier, wenn man Angst hat eine falsche Bewegung zu machen und es damit zu verschrecken, davon zu jagen. Also verharre ich gebannt, um diesen Moment nicht zu zerstören.

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Straßengeflüster

Die Füße auf das metallene Geländer gestützt und den Rücken ans kühle Fensterglas gelehnt sitzen wir auf dem winzigen Balkon. Um uns herum fällt sanfter Regen, unter uns erleuchten die Scheinwerfer der Autos vereinzelte Tropfen für einen winzigen Moment, doch wir bleiben dank des Dachvorsprungs über uns trocken. Auf meinem Schoß steht ein Teller mit Wassermelone, von dem wir uns immer wieder ein Stück Frucht in den Mund stecken, während wir die Abkühlung des Sommernachtregens genießen und das treiben der Stadt beobachten. Mal wieder wird mir bewusst, wie simpel dieser Moment ist und wie glücklich er mich doch macht. Hier komme ich zur Ruhe, hier fühle ich mich wohl. Hier mit ihm, hier in dieser Stadt, meinem neuen zu Hause.

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zu Hause?

Als ich Gas gebe, passiert plötzlich nichts mehr. Meine Handbewegung geht ins Leere. Der Motor meines Rollers scheint zu bremsen und meine Geschwindigkeit verlangsamt sich Meter für Meter obwohl es bergab geht. Verunsichert halte ich an, schalte den Roller aus und nach einer kurzen Pause wieder an. Nichts. Nichts passiert außer ein hohles monotones Knattern, aber anspringen will er nicht mehr. Verzweifelt setze ich meinen Helm ab, und starre meinen treuen Wegbereiter an. Was soll ich denn jetzt machen? Ich bin mitten im Nirgendwo, weit weg von zu Hause, allein. Natürlich ist Sonntag, solche Sachen passieren immer Sonntags. Und natürlich auch nicht in der Stadt sondern irgendwo auf dem Land wo weit und breit nichts ist. Alles andere ist ja auch zu einfach. Ratlos greife ich nach meinem Handy, mein erster Impuls meine Eltern anzurufen erweist sich jedoch sofort als sinnlos. Die sind hunderte Kilometer weit weg und können jetzt auch nichts machen. Plötzlich wird mir bewusst, das dass, das Leben ist. Welcome to the game. Ich bin erwachsen, im wahrsten Sinne des Wortes. Vorletzte Woche bin ich 21 geworden - also offiziell volljährig. Ich muss Probleme jetzt alleine lösen, kann mich nicht immer nur auf meine Familie verlassen wie ich es sonst immer getan habe. Diese Erkenntnis trifft mich komischerweise unerwartet, wohne ich doch schon fast ein Jahr nicht mehr zu Hause. Und trotzdem, wird es mir jetzt erst so richtig bewusst, was das alles bedeutet. Genau jetzt vermisse ich meine Mama und meinen Papa, diese Gewissheit und Verlässlichkeit die man bei seinen Eltern hat, zu wissen das sie immer für einen da sind und einem immer helfen - egal was dafür auch nötig ist. All diese Kleinigkeiten und Dinge die doch Beweise ihrer unbegrenzten Liebe zu dir sind. Wie dankbar ich dafür bin, solch wundervollen Menschen in meinem Leben zu haben.

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Warten

Warten, endloses Ausharren, still Sitzen. Keinerlei Informationen über das wieso weshalb warum, bloß die trübe Ungewissheit. Sie sprechen von irgendeinem Notfall, doch was genau, das lassen sie aus. Stehen hier im nirgendwo, können nicht vor und nicht zurück. Der Blick nach draußen zeigt seit Ewigkeiten dasselbe Bild. Nichts als unendliches weites grün. Meine Augen verfangen sich an dem kleinen mit Rost überzogenen Schild mit dem Buchstaben A. A. Einfach nur ein großes schlichtes A, nicht mehr und nicht weniger. Wofür es wohl stehen mag? Welche Markierung zeigt es auf, was für einen Zweck erfüllt es? Die Menschen werden Unruhig. Müde und aufgebrachte Blicke fliegen durch den Raum, Köpfe drehen und wenden sich, Füße klopfen unruhig auf den Boden, Finger trommeln nervös auf Oberschenkeln. Leute stehen auf und setzen sich, hören Musik und flüstern gedämpft. Ich starre auf meinen Handydisplay – kein Netz. Es wären bloß noch ein paar Meter zum nächsten Bahnhof gewesen, wieso stehen wir hier, mitten im Wald, ohne Empfang? Wieso sind wir nicht noch kurz weitergefahren? Was um alles in der Welt ist passiert? Die Fragen überschlagen sich in meinem Kopf, versuche meine Panik zu unterdrücken, es bringt ja doch nichts. Die Minuten verstreichen, der Akku sinkt, die Luft wird kühler. Ich fühle mich gefangen, eingesperrt, abgeschieden, allein gelassen. Allein unter unzähligen Menschen, die vermutlich dasselbe Empfinden wie ich. Und alle haben dieselbe Frage – wie lange müssen wir hier noch warten?

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Wofür

Ich habe zurzeit das Gefühl nirgendwo richtig hinzugehören, weiß nicht was mein zu Hause ist, weiß nicht wo ich bin, wo ich hinmöchte, wo ich vielleicht morgen stehe. Alles steht auf der Kippe, geht es nach rechts oder nach links? Bergab oder Bergauf? Wohin führt mich dieser unsichere fast verschwindende Pfad den ich eingeschlagen habe? Alles ist zugewuchert, alles verschwimmt im unklaren Nebel um mich herum, halb blind taste ich mich voran, habe Angst vor jedem weiteren Schritt. Wünschte ich könnte mich an ein winzig kleines Stückchen Sicherheit klammern, etwas das mir Halt gibt, mich stützt. Habe das Gefühl immer weiter abzurutschen, kämpfe dagegen an, strample unentwegt mit letzter Kraft, möchte nicht untergehen, muss es zur Oberfläche schaffen, bis zum rettenden Ufer schwimmen. Doch mein Wille schwächelt, schwindet immer weiter, ebenso wie meine Kräfte. Zu viele Enttäuschungen, zuviel Konkurrenz, zu viel Verantwortung. Wie einfach wäre es loszulassen, wie verlockend ist es sich einfach fallen zu lassen, einfach die Augen zu schließen und zu vergessen. Zurückgehen, zurück in das all bekannte, das vertraute, da wo ich weiß was ich zu tun habe, was richtig und was falsch ist, wohin der Weg führt. Doch wenn ich mich umdrehe kämpft etwas in mir an, zwingt mich weiterzugehen, weiterzumachen, es zu schaffen, es mir selbst und der Welt zu beweisen. Wofür habe ich es sonst bis hierher geschafft? Wofür all die Anstrengungen, all die Sorgen auf mich genommen? Wofür, wenn ich jetzt aufgebe?

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Regen

Regentropfen benetzen die Scheibe, liefern sich Wettrennen, hinterlassen ihre Spuren auf dem staubigen Glas. Brechen das fahle Morgenlicht in tausende Splitter, kreieren unzählige minimalistische Bilder, erschaffen winzig kleine Welten. Nehmen all den Dreck, das Vergangene, die Erinnerungen mit sich. Spüre das sanfte Klopfen auf meiner geschundenen Haut, das zärtliche Kitzeln, die hauchzarten Berührungen. Mit geschlossenen Augen stehe ich da, lasse es geschehen, lausche nur dem leisen Rauschen, sonst nichts, nichts nur das Wasser und ich. Lasse all den Schmerz, all die Enttäuschung, all den Schmutz wegspülen. Es fühlt sich gut an, es fühlt sich richtig an. Ich will dass er mir alles nimmt, alles mit sich fortträgt. Vergessen wollte ich all die Zeit, wollte alles hinter mir lassen und nun endlich ist es soweit. Kann es kaum erwarten, mich kaum gedulden, will dass es endlich passiert. Dieses leichte Ziehen, das sachte Streicheln wenn es endlich beginnt, es endlich anfängt. Nichts mehr wünsche ich mir als genau das, atme tief ein, inhaliere die feuchte von reiner Erde getränkte Luft, atme langsam aus, spüre wie alles aus mir weicht, alles wird leer, hohl, nur noch eine Hülle, nicht mehr und nicht weniger. Habe es endlich geschafft, habe endlich losgelassen, bin Neugeboren, bereit für meinen Neuanfang.

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Du und Ich

Die Welt ist laut und schrill, doch wenn man genauer hinhört, ist es nichtssagend. Nur Lärm und Schutt, nichts als Oberflächlichkeit. Um die Wahrheit zu sehen muss man tiefer gehen, die Augen schließen, all die nutzlosen Geräusche ausblenden, sich aufs Wesentliche konzentrieren, alles um sich herum vergessen, sich verlieren. Abtauchen, versinken und nie wieder auftauchen, verloren in einer anderen Welt, in sich gekehrt, vollkommen still. Stille fehlt uns, suchen wir vergebens, hat sich aufgelöst, existiert nur noch in uns selbst. Nur wir selbst können sie heraufbeschwören, sie wachsen lassen. Lass mich deine Stille sein, deine Zuflucht, dein zu Hause. Lass uns den Lärm aussperren, uns vor all der Hektik und dem Trubel verstecken, nur du und ich. Nur wir und Stille ♡

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Traumwelten

Die Welt fliegt an mir vorbei, Bäume wie Schatten vor dem blassen sich langsam färbenden Horizont. Für einen kurzen Moment fliegt ein Vogel auf gleicher Höhe, bloß für ein paar Flügelschläge um dann immer höher zu steigen, in die ewigen Lüfte zu entgleiten. Über den Feldern und Wiesen wabert eine seichte Nebelschicht, bedeckt die Gräser und Ähren wie eine weiche Schutzhülle, verleiht der Natur eine surreale Schönheit, so unwirklich und doch wahr. Die Silhouetten der Baumwipfel am Waldrand berühren den Himmel, von ihnen fließt ein wunderschöner Rosaton aus, als wären ihre Spitzen Pinsel um die Wolken in tausend Farbnuancen zu tauchen. Der Zug verlangsamt seine Geschwindigkeit, langsam tauchen Häuser zu beiden Seiten auf, aus deren Fenstern die Lichter strömen, die Morgenluft erhellen, den Zauber nehmen, all die Träumereien mit einem Schlag ersticken. Ein letzter Blick noch, dann schließe ich meine Augen, richte meinen Blick nach innen, erschaffe meine eigene Welt, beginne wieder zu träumen, doch dieses mal ist es leider wirklich nur ein Traum und nicht mehr der Traum der Wirklichkeit.

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Herbstwald

Die Stille des Waldes beruhigt mich schlagartig, mein Herzschlag verlangsamt sich, mein Atem wird ruhiger. Meine Füße rutschen auf dem durchnässten Waldboden, versuchen den kleinen trüben Pfützen auszuweichen. Schließlich bleibe ich stehen, verharre in einem der wenigen Lichtpunkte. Starre halb blind in die glänzende Nachmittagssonne, wie sie durch das bunte Blätterdach bricht, den dunklen Wald in ein prächtiges Farbspiel tunkt und sanft meine Nasenspitze kitzelt. Möchte die Augen schließen um diesen Moment noch intensiver spüren zu können, doch die glühenden Herbstfarben halten meinen Blick gefangen. Die perfekte unperfekte Harmonie von Gelb, Rot, Orange und Brauntönen, wie sie sich vermischen und doch unterscheiden. Der Wind wiegt sanft das Geäst, lässt kleine Blätterregen hinunterrieseln welche die weiche Erde unter ihrer selbst verstecken. Vorsichtig lehne ich mich an einen der alten knorrigen Bäume, als ob ich Angst hätte das er umfallen könne. Schmiege meine Wange an die kühle und raue Rinde, flatternd schließe ich die Augen, fahre mit den Fingerspitzen die Struktur des Holzes nach, lausche dem leisen Rauschen der Baumkronen, dem Flügelschlag eines Vogels, dem fiepen einer Maus. Perfekter könnte ein solcher Moment wohl kaum sein.

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Tagträume

Das grelle Neonlicht erleuchtet kalt und erbarmungslos den kahlen Raum. Mein Blick wandert über die müden Gesichter. Durch meinen Körper fließt die beruhigende Musik meines iPods, trägt mich hinfort in eine andere Welt. Verschwinde aus den Räumlichkeiten voller Leute, schwebe völlig schwerelos davon. Meine Gedanken sind gewillt mich überall hinzutragen, wo immer ich auch hinmöchte. Spüre den warmen und feuchten Waldboden unter meinen nackten Füßen. Einige der Tannennadeln stechen sanft in meine Fußsohlen. Doch es schmerzt nicht, eher fühlt es sich an als ob sie mich leise an ihre Existenz erinnern möchten. Ich störe mich nicht daran, leichtfüßig tanze ich über die dunkle Erde, das weiche Moos, wirble herum, drehe mich im Kreis, die Arme weit von mir gestreckt. Schließe die Augen, spüre einfach nur diesen Moment voller Glücksseeligkeit. Fahre mit den Fingerspitzen über die Rinde eines Baumes, streife mit meiner Wade den grünen Farn und sauge die klare, nach der Tiefe des Waldes duftende Luft ein. Ich fühle mich so unglaublich frei, hier gibt es einfach nur mich, mich und die Natur. Keine Vorschriften, keine Regeln, niemanden der mich beobachtet und über mich urteilt. Lächelnd lege ich den Kopf in den Nacken und starre in die unendliche Weite des weiß getupften Himmels. Er erinnert mich an die Weitläufigkeit des Meeres. Abrupt spüre ich feinen, von der Sonne aufgewärmten Sand unter meinen Fußballen. Der Duft des salzigen Ozeans umschließt mich sanft, hüllt mich in seine tröstende Beständigkeit des Rauschens der Wellen. Langsam wiege ich meinen Körper in ihrem Rhythmus, vor und zurück, vor und zurück, immer wieder. Schließlich lasse ich mich fallen, lasse die weißgoldenen Sandkörner durch meine Finger rieseln, puste sie von meiner hellen Haut. Beobachte die weißen Wolken, die wie Zuckerwatte im intensiven Blau der Unendlichkeit umherschwimmen. Hier will ich ewig bleiben, einfach hier liegen und das süße Nichtstun genießen. Ein lauter Knall lässt mich zusammenzucken, reiße meine Augen weit auf und starre in das blenden Neonlicht. Habe das Gefühl zu erblinden, möchte meine Augen einfach nur wieder schließen, erneut Abtauchen. Doch die Realität hat mich wieder, kann mich ihr unmöglich erneut entziehen. Bin gefangen in der Wirklichkeit, im hier und jetzt. Bis zu meinem nächsten Tagtraum. Und so warte ich, erwartungsvoll, ungeduldig, erschöpft.

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