Herbstwald

Die Stille des Waldes beruhigt mich schlagartig, mein Herzschlag verlangsamt sich, mein Atem wird ruhiger. Meine Füße rutschen auf dem durchnässten Waldboden, versuchen den kleinen trüben Pfützen auszuweichen. Schließlich bleibe ich stehen, verharre in einem der wenigen Lichtpunkte. Starre halb blind in die glänzende Nachmittagssonne, wie sie durch das bunte Blätterdach bricht, den dunklen Wald in ein prächtiges Farbspiel tunkt und sanft meine Nasenspitze kitzelt. Möchte die Augen schließen um diesen Moment noch intensiver spüren zu können, doch die glühenden Herbstfarben halten meinen Blick gefangen. Die perfekte unperfekte Harmonie von Gelb, Rot, Orange und Brauntönen, wie sie sich vermischen und doch unterscheiden. Der Wind wiegt sanft das Geäst, lässt kleine Blätterregen hinunterrieseln welche die weiche Erde unter ihrer selbst verstecken. Vorsichtig lehne ich mich an einen der alten knorrigen Bäume, als ob ich Angst hätte das er umfallen könne. Schmiege meine Wange an die kühle und raue Rinde, flatternd schließe ich die Augen, fahre mit den Fingerspitzen die Struktur des Holzes nach, lausche dem leisen Rauschen der Baumkronen, dem Flügelschlag eines Vogels, dem fiepen einer Maus. Perfekter könnte ein solcher Moment wohl kaum sein.

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