Regen

Regentropfen benetzen die Scheibe, liefern sich Wettrennen, hinterlassen ihre Spuren auf dem staubigen Glas. Brechen das fahle Morgenlicht in tausende Splitter, kreieren unzählige minimalistische Bilder, erschaffen winzig kleine Welten. Nehmen all den Dreck, das Vergangene, die Erinnerungen mit sich. Spüre das sanfte Klopfen auf meiner geschundenen Haut, das zärtliche Kitzeln, die hauchzarten Berührungen. Mit geschlossenen Augen stehe ich da, lasse es geschehen, lausche nur dem leisen Rauschen, sonst nichts, nichts nur das Wasser und ich. Lasse all den Schmerz, all die Enttäuschung, all den Schmutz wegspülen. Es fühlt sich gut an, es fühlt sich richtig an. Ich will dass er mir alles nimmt, alles mit sich fortträgt. Vergessen wollte ich all die Zeit, wollte alles hinter mir lassen und nun endlich ist es soweit. Kann es kaum erwarten, mich kaum gedulden, will dass es endlich passiert. Dieses leichte Ziehen, das sachte Streicheln wenn es endlich beginnt, es endlich anfängt. Nichts mehr wünsche ich mir als genau das, atme tief ein, inhaliere die feuchte von reiner Erde getränkte Luft, atme langsam aus, spüre wie alles aus mir weicht, alles wird leer, hohl, nur noch eine Hülle, nicht mehr und nicht weniger. Habe es endlich geschafft, habe endlich losgelassen, bin Neugeboren, bereit für meinen Neuanfang.

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