Warten

Warten, endloses Ausharren, still Sitzen. Keinerlei Informationen über das wieso weshalb warum, bloß die trübe Ungewissheit. Sie sprechen von irgendeinem Notfall, doch was genau, das lassen sie aus. Stehen hier im nirgendwo, können nicht vor und nicht zurück. Der Blick nach draußen zeigt seit Ewigkeiten dasselbe Bild. Nichts als unendliches weites grün. Meine Augen verfangen sich an dem kleinen mit Rost überzogenen Schild mit dem Buchstaben A. A. Einfach nur ein großes schlichtes A, nicht mehr und nicht weniger. Wofür es wohl stehen mag? Welche Markierung zeigt es auf, was für einen Zweck erfüllt es? Die Menschen werden Unruhig. Müde und aufgebrachte Blicke fliegen durch den Raum, Köpfe drehen und wenden sich, Füße klopfen unruhig auf den Boden, Finger trommeln nervös auf Oberschenkeln. Leute stehen auf und setzen sich, hören Musik und flüstern gedämpft. Ich starre auf meinen Handydisplay – kein Netz. Es wären bloß noch ein paar Meter zum nächsten Bahnhof gewesen, wieso stehen wir hier, mitten im Wald, ohne Empfang? Wieso sind wir nicht noch kurz weitergefahren? Was um alles in der Welt ist passiert? Die Fragen überschlagen sich in meinem Kopf, versuche meine Panik zu unterdrücken, es bringt ja doch nichts. Die Minuten verstreichen, der Akku sinkt, die Luft wird kühler. Ich fühle mich gefangen, eingesperrt, abgeschieden, allein gelassen. Allein unter unzähligen Menschen, die vermutlich dasselbe Empfinden wie ich. Und alle haben dieselbe Frage – wie lange müssen wir hier noch warten?

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